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"Unsere Lieferanten im Interview":

 

Der 

GEMÜSEHOF WEßLING

aus Neuenkirchen

Hallo Dietmar,

wir arbeiten schon seit Beginn des Bioboten zusammen und sind sehr dankbar für diese gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ein Großteil unserer Produkte kommt direkt von deinem Hof. Gerne möchten wir dir ein paar Fragen stellen, sodass unsere Kunden dich auch etwas besser kennenlernen. Vorab: Vor einiger Zeit haben wir ein Portrait über deinen Hof mit der Videokamera gedreht. Wie gefällt dir das Portrait?

Der Film ist super geworden, sehr authentisch, spiegelt genau unseren Betrieb wieder.

 

Hier könnt ihr das Portrait über den Gemüsehof Weßling ansehen:

Das freut uns! Kannst du uns denn mal ein wenig die Geschichte zu deinem Hof erzählen? Wie lange gibt es ihn schon und was hat dich dazu geführt, in die ökologische Landwirtschaft einzusteigen?

1932 hatte mein Großvater einen kleinen landwirtschaftlichen Kotten mit 3 Ha Fläche. Mit dieser Fläche konnte er seine Familie kaum ernähren, denn er musste Vieh halten und Getreide anbauen und da reichte die Fläche einfach nicht. Somit ist er angefangen, Gemüse anzubauen und auf dem Wochenmarkt in Rheine zu verkaufen. Mit Pferd und Kutsche ist er morgens nach Rheine gefahren und hat so den Lebensunterhalt seiner Familie gesichert. Im Laufe der Jahre wurden erst Mistbeetkästen und später ein Gewächshaus gebaut. 
Heute arbeiten wir auf 11 Ha Fläche, haben davon ca. 6 Ha für den Gemüsebau und die restliche Fläche wird mit Getreide bestellt, um die Fruchtfolge zu gewährleisten. Zudem haben wir ca. 4 500 qm beheizbare Gewächshausfläche. 
In den 1980er Jahren musste mein Vater jeden Freitag nach der Gurkenernte die Gurkenpflanzen mit chemischen Mitteln behandeln, damit sie gesund blieben und nicht von den Spinnmilben (ein gefürchteter Schädling im Gurkenanbau) vernichtet wurden. Dieses Prozedere war für meinen Vater nicht hinnehmbar: Ohne Chemie keine Gurken! Zu diesem Zeitpunkt kamen die ersten Nützlinge gegen die Spinnmilben auf. Er ist zusammen mit einem anderen Betrieb aus Münster der erste gewesen, der diesen Nützlingseinsatz in NRW ausprobierte.  So entstand in unseren Gewächshäusern eine Chemiefreie Zone. 
In den darauffolgenden Jahren fragten unsere Marktkunden immer mehr nach Gemüse ohne Pflanzenschutzmittel und mein Vater experimentierte und versuchte immer mehr von den chemischen Mitteln loszukommen. Seit Mitte  der1990er Jahren war unser Betrieb chemiefrei. Nur die Düngung erfolgte noch mit mineralischen Düngemitteln. 
Im Jahre 2001 habe ich unseren Betrieb bei Bioland angemeldet. Seitdem werden wir regelmässig kontrolliert.

Was für ein Sortiment bietest du an?

Eigentlich alle Kulturen, die hierzulande wachsen ausser Spezialkulturen wie Spargel, Chiccoree und Erdbeeren 
In den Gewächshäusern :Im Frühjahr Salate, Kohlrabi, Radieschen, Stielmus, Feldsalat. 
Im Sommer: Tomaten, Gurken, Paprika und Auberginen 
Im Herbst: Feldsalat, Kohlrabi und Stielmus. 
im Freiland: alle Kohlarten,Porree, Sellerie, Zwiebeln, Möhren, verschiedene Salate, Kartoffeln, Spinat, Radieschen und Rettich, Petersilie und Schnittlauch, Rote und Gelbe Bete, Pastinaken und Petersilienwurzeln, Fenchel, Bohnen.

Hast du persönlich ein Lieblingsgemüse/-obst? Wenn ja, was gefällt dir daran besonders?

Wenn man an einer Tomate riecht und die Frucht verbreitet schon ein Aroma von Tomatenpflanze, dann setzen schon die ersten Glücksgefühle bei mir ein. Wenn man dann reinbeißt und man wird noch einmal mit einer schönen Mischung aus Aroma und feiner Säure überschüttet, dann ist es unbeschreiblich.... 
Auch das langsame Wachstum einer Tomatenpflanze zu begleiten ist etwas Besonderes. Man pflegt die Pflanzen 3 Monate, bevor man probieren kann.

Wie sieht ein Tagesablauf bei euch auf dem Hof aus?

Morgens um 5.00 aufstehen und die Fahrer zu den Wochenmärkten mit Wechselgeldkassen und Informationen über Besonderheiten vom Gemüse oder Obst informieren. Nach Abfahrt geht es ins Kühlhaus, schaue mir den Lagerbestand an und schreibe die Erntelisten für den Tag. Dann gibt es für mich Frühstück.
Um ca 6.15 beginne ich mit der Ernte oder der Vorbereitung für Pflanzungen. Um 7.00 kommen unsere fleissigen Mitarbeiter, dann ist erst einmal Teambesprechung für ca. 5 min.
Danach bin ich meistens mit der Ernte einzelner Gemüsearten beschäftigt.
Wenn um ca. 8.30 die Bioboten anrufen, heisst es für mich: Bestellung notieren. Anschliessend werden die Gemüsebestellung aufgeteilt und an die 3 Ernteteams per Handy weitergeleitet.
Nun muß ich die Jungpflanzen für die heutigen Pflanzungen zusammenstellen und gießen.
Danach treffen die ersten Erntemengen für die Bioboten ein und ich beginne mit dem Auswiegen und zusammenstellen.
Um 11.30 sollte das soweit fertig sein damit ich mich jetzt um die Jungpflanzen kümmern kann. Je nach Witterung und Wachstum muss ich mehr oder weniger stark giessen.
Von 12.00 bis 13.30 ist Mittagspause.
13.30 gibt es nochmals eine kurze Teambesprechung und dann versuche ich mich um einzelne Kulturen näher zu kümmern: Krankheiten und Schädlingsbefall prüfen, Unkrautdruck feststellen und Hacktechnik planen. Um 15.00 kann ich dann evtl selbst nochmal hacken oder mit dem Grubber Felder säubern. Um 18.00 ist dann Feierabend.

Der Boden ist doch bestimmt besonders wichtig für den Erfolg deiner Arbeit. Was genau benötigt ein guter Boden?

Diese Frage ist ein sehr komplexes Thema und würde diesen Rahmen sprengen.
Aber kurz unser wichtigstes Anliegen:
Um gutes Gemüse nachhaltig produzieren zu können, ist der Humusaufbau ein ganz wichtiger Faktor und eine weitreichende Fruchtfolge ist dringend erforderlich.
Ca. 40% unserer Ackerfläche belegen wir jährlich mit Getreide um eine weitreichende Fruchtfolge zu erreichen. Diese Flächen werden im Herbst mit einer Wintergründüngung eingesät , die im Frühjahr als Nahrung für das Getreide dient. Auf den Flächen, wo Gemüse stehen soll, wird im Oktober Wickroggen gesät. Der Wickroggen bringt im Frühjahr viel Blattmasse, die vor dem Pflanzen eingearbeitet wird.

 

In der ökologischen Landwirtschaft darfst du ja keine Dünge- und Pflanzenschutzmittel einsetzen. Vor welchen Herausforderungen stellt dich das?

Keine Pflanzenschutz und Düngemittel ist nicht richtig!
Wir dürfen keine CHEMISCHEN Pflanzenschutzmittel und nur organische Düngemittel anwenden.

Es gibt einige biologische Pflanzenschutzmittel, die wir auch einsetzen. Beispielsweise Öle, die die Atemorgane von Läusen verkleben oder Orangenöl und Backpulver, die die Wege der Pilze von Blattöffnung zu Blattöffnung versperren.

Der große Unterschied besteht darin, dass die biologischen PS-mittel nur durch direkten Kontakt mit den Schadorganismen wirken und nicht wie die chemischen über das System der Pflanze. 
D.h. bei biologischen Mitteln muss ich die Schädlinge oder Pilzkrankheiten direkt treffen, bei chemisch-synthetischen Mitteln hingegen müssen nur einige Blätter der Pflanze getroffen werden, der Saftstrom in der Pflanze verteilt das Gift zu allen Blättern.

Zu den Düngemitteln:
Wir nutzen verschiedene organische Düngemittel wie Phytogran (gewonnen aus Pflanzenresten bei der Herstellung von Zucker) und Horngries.
Wichtigster Unterschied ist die Verfügbarkeit für die Pflanzen. Während konventionelle Düngemittel immer sofort Pflanzen-verfügbar sind, müssen unsere organischen Düngemittel erst von Mikroorganismen im Boden umgebaut werden, damit sie Pflanzen-verfügbar werden. Da entscheidet das Wetter über die Geschwindigkeit, denn je wärmer der Boden, umso schneller die Umsetzung. Folge: Bei einem nasskalten Frühjahr können Wochen vergehen, bis die Pflanzen an ihre Nahrung kommen.
Aber das macht den oft besseren Geschmack von Bio-Gemüse auch aus: Die Pflanzen leben nicht im Überschuss sondern immer am unteren Rand der Ernährung. Und Pflanzen die sich kümmern müssen bilden mehr Geschmacksstoffe.
Gleichzeitig kann viel weniger Nährstoff bei Starkregenfällen ausgewaschen werden, was dem Grundwasser eingewaschen würde.

Das ist aber auch ein ganz schönes Risiko. Wieso nimmst du es in Kauf?

Wir arbeiten MIT der Natur und nicht dagegen - das ist mein Anreiz, jeden Morgen aufzustehen und Gemüse zu produzieren. Ich habe viel von der Natur gelernt und lerne jeden Tag dazu!
Kein Jahr ist gleich, die Witterung stellt uns jedes Jahr vor neue Herausforderungen.
Das zu meistern und dabei qualitativ hochwertiges Gemüse zu erzeugen, ist einfach toll.
Unsere Umwelt ein wenig schützen mit unserem Wirken und nicht einfach draufhauen und immer noch mehr von einer Fläche verlangen.

Und wenn wir dann die vielen positiven Rückmeldungen von unseren Kunden und den Kunden der Bioboten hören, dann haben wir doch alles richtig gemacht! Oder??

 

 

Auf jeden Fall! :) Vielen Dank für deine Zeit und das interessante Interview!